| Aktuell | Archiv | 2022 | Nicht Adieu sondern Auf Wiedersehen! - Wir verabschieden unsere ehem. Vorsitzende Andrea Meyer

Nicht Adieu sondern Auf Wiedersehen! - Wir verabschieden unsere ehem. Vorsitzende Andrea Meyer

30. November 2022

Bild: Timo Fiebach
Bild: Timo Fiebach

Anlässlich des Geburtstags unserer ehemaligen Vorsitzenden Andrea Meyer möchten wir an dieser Stelle das herausragende Engagement und die vielzähligen Errungenschaften abbilden und unseren großen Dank für ihre Tätigkeit im Bund Deutscher Rechtspfleger aussprechen.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Andrea zu deinem heutigen Ehrentag!

Aus den Gründen des Antrags auf Ernennung zum Ehrenmitglied:

Andrea Meyer begann 1980 mit dem Studium an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen ihre Laufbahn in der rheinland-pfälzischen Justiz. Gleichzeitig wurde sie auch Mitglied im Bund Deutscher Rechtspfleger Landesverband Rheinland-Pfalz. Sie arbeitete in unterschiedlichsten Rechts- und Sachgebieten bei den Amtsgerichten Bitburg und Trier sowie dem Landgericht Trier. 2006 wurde sie Verwaltungsleiterin der Deutschen Richterakademie Trier. Sie war Personalrätin im Bezirkspersonalrat bei dem Oberlandesgericht Koblenz und im Hauptpersonalrat bei dem Ministerium der Justiz; dort war sie auch Vorsitzende. Am 27.09.2000 wurde sie auf dem Rheinland-pfälzischen Rechtspflegertag in Zweibrücken als Nachfolgerin von Wolfgang Mathias zur Landesvorsitzenden gewählt. Sie genoss von Beginn an das Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen und das Ansehen der oberen Dienstbehörden. Dabei scheute sie nie kontroverse Diskussionen. Sie selbst bewies dabei stets großes Verhandlungsgeschick. In den letzten 22 Jahren trat sie immer mit beispiellosem Engagement für die Belange der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger ein.

Sie brachte den Rechtspfleger ins Gespräch: In Justizkreisen, in der Politik, in den Medien und in unserem Dachverband dbb.
Unter ihrer Führung gelang es in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit einen berufskundlichen Film über den Beruf des Rechtspflegers zu initiieren.

Sie verschaffte dem Berufsstand des Rechtspflegers Aufmerksamkeit und agierte auf der politischen Bühne, innerhalb und außerhalb der Justiz stets auf Augenhöhe. Sie hat damit die berufspolitische Arbeit des Verbands entscheidend vorangebracht.
An der beispiellosen langen Amtszeit lassen sich die vielen Herausforderungen, denen sich Andrea als Landesvorsitzende gegenübersah, zeichnen:

So kämpfte Andrea mit dem BDR im Rahmen der Großen Justizreform 2005 gegen eine Übertragung der Nachlasssachen auf die Notare und gegen die Schaffung von Bodenmanagementbehörden.

2006 drohte die Absenkung der Eingangsbesoldung, die in der Folge auch auf Grund ihres unermüdlichen Einsatzes abgewandt werden konnte.

Zum ersten Mal wurden bereits 2006 durch entsprechende Entschließungen des Rheinland-pfälzischen Rechtspflegertages der Weg zur Erprobung flexibler Arbeitszeitmodelle vorbereitet.

2007 stieß Andrea die Diskussion im Land zur Schaffung eines eigenen Statusamts an. Sie forderte die Schaffung eines Rechtspflegeramtes, eigenständig neben denen der Richterinnen und Richter und der Beamtinnen und Beamten anderer Laufbahnen.

Nur konsequent war es daher, sich für die Schaffung der Landesverordnung zur Übertragung von Aufgaben auf den Rechtspfleger und den Urkundsbeamten der Geschäftsstelle einzusetzen und damit die Position des Rechtspflegers im Gefüge der Justiz weiter zu stärken. Ab dem 01.01.2009 nahm der Rheinland-pfälzische Rechtspfleger im Bundesvergleich damit eine Sonderstellung ein.

Im Anschluss kämpfte sie unter Verweis auf den Aufgabenzuwachs umso entschiedener für die Schaffung einer Sonderlaufbahn der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger und die Verbesserung der personellen Ausstattung.

2009 richtet Andrea Meyer deutliche Worte im Rahmen der Festveranstaltung „100 Jahre Rechtspfleger – eine Erfolgsgeschichte in der Justiz“ an die Zuhörer: „Sorgen Sie für eine ausreichende Personalausstattung, das Statusamt als Zeichen für ein unabhängiges Gerichtsorgan und eine der Verantwortung und Qualifikation angemessene Bezahlung“.  Unter den Zuhörern befand sich auch die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.

2010 kämpfte Andrea mit aller Kraft für die Abmilderung der drohenden Stellenstreichungen bei den Grundbuchämtern auf Grund des Jahresberichts des Landesrechnungshofs. Mit einem „offenen Brief“ richtete sie sich an die Abgeordneten des Rheinland-pfälzischen Landtags. Am Ende des Briefs stellte sie fest: „Der Standortvorteil einer funktionierenden und effektiven Justiz als Grundlage des friedvollen Miteinanders und der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Land sollten uns Rheinland-Pfälzern 10,00 EUR im Monat wert sein.“

2011 engagierte sich Andrea im Namen des BDR und gemeinsam mit dem Deutschen Richterbund Rheinland-Pfalz gegen die politischen Pläne, das Oberlandesgericht Koblenz, eine Generalstaatsanwaltschaft sowie ein Verwaltungsgericht zu schließen. Dass die konkrete Schließung von Gerichtsstandorten in Koalitionsverhandlungen erfolge, zeige die Geringschätzung der dritten Gewalt durch die Politik.

Ein großer Erfolg ihrer Amtszeit bleibt in jedem Fall die Erprobung des flexiblen Arbeitszeitmodells für Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger, das nach erfolgreicher Pilotierung ab 2012 schließlich in § 14 Abs. 3 der Arbeitszeitverordnung festgeschrieben wurde.  

2013 bewies Andrea, dass Verbandsforderungen an die Realität angepasst werden müssen und der eingeschlagene Kurs nachjustierbar bleiben muss. So ließ sie per Newsletter verkünden: „Keine weitere Aufgabenübertragung auf den Rechtspfleger bei der exorbitant hohen Belastung.“

Es war im Rahmen der Dienstrechtsreform leider trotz enormen Einsatzes des BDR nicht gelungen, für die überschaubare Menge an Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger in Rheinland-Pfalz eine status- und besoldungsrechtliche Verbesserung herbeizuführen. Daraus zog Andrea Konsequenzen. 2015 zeigte sie gemeinsam mit den anderen Justizgewerkschaften auf dem Platz vor dem Landtag in Mainz den Abgeordneten die „gelbe“ Karte. Dabei sorgte sie auch dafür, dass über die Aktion überregional im Fernsehen berichtet wurde.

2016 richtete der BDR Rheinland-Pfalz den 34. Deutschen Rechtspflegertag in Trier aus, der allen in guter Erinnerung ist und bleiben wird. Auch hier hat Andrea ihr großes Organisationstalent bewiesen und allen Anwesenden ein unvergessliches Erlebnis beschert.

2017 wurde Andrea zuletzt mit gewohnt überragendem Votum in ihrem Amt als Landesvorsitzende bestätigt.

2018 forderte Andrea gegenüber den Abgeordneten des Rheinland-pfälzischen Landtags und gegenüber dem Finanzministerium: „Pebb§y 100“. Sie initiierte die Versendung von Protestbriefen an alle Landtagsabgeordneten, reiste nach Mainz und nahm an Sitzungen des Landtags teil.  Sie unterstützte damit die Position des Ministeriums der Justiz in den laufenden Haushaltsberatungen mit Erfolg: Mehr Anwärterstellen und mehr Planstellen legen seit dem den Grundstein für eine Belastungsreduzierung in der Zukunft. 2018 unterstütze Andrea außerdem eine anvisierte Musterklage über unseren Dachverband dbb wegen der exorbitant hohen Arbeitsbelastung. Damit mache sie die Arbeitsbelastung der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger zum verbandspolitischen Prioritätsthema und machte damit die Probleme der rheinland-pfälzischen Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger zur Chefsache.


Viele Festveranstaltungen bereicherte Andrea durch ihre mitreißenden Reden. Immer hatte sie dabei den Rechtspfleger als zweite Säule der dritten Gewalt im Blick. Denn Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger stützen die Justiz nicht nur durch ihre Arbeit bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften im Rahmen der ureigenen gesetzgeberischen Aufgaben, sie haben auch entscheidende Positionen im Ministerium und bei den Obergerichten inne. Sie sitzen in Arbeitsgruppen, begleiten Reformprozesse, sind Multiplikatoren, Geschäftsleiter*innen und IT-ler.

Andrea hat sich mit Leidenschaft und großem ehrenamtlichen Einsatz für unseren Berufsverband über eine unvorstellbar lange Zeit stark gemacht. Sie hat unsere Interessen vertreten, sich unserer Kritik gestellt und neue Wege beschritten. Andrea Meyer wird für ihr engagiertes Ein- und Auftreten als Landesvorsitzende für den Bund Deutscher Rechtspfleger Rheinland-Pfalz die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

 

Als letzte Amtshandlung formulierte Andrea Meyer folgende Abschiedrede:

 

„Sehr verehrte Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mit neuem Mindset in die Digitale Zukunft –

Ein wichtiges, ein spannendes, ein Thema auch mit hohem interdisziplinärem Bezug.

Es betrifft Alle und das nicht erst seit Corona.

Wir haben uns an diesem Rechtspflegertag dieser Thematik gestellt, intensive Diskussionen geführt, zielführende Entscheidungen getroffen.

Die Podiumsdiskussion hat durch die Beleuchtung der breit gefächerten Aspekte dieser Veränderungsnotwendigkeiten sehr deutlich aufgezeigt, dass es sich hierbei nicht um eine juristische, zumindest keine rein juristische Problematik handelt, sondern vielmehr in alle Bereiche des Menschen und seiner Lebens- und Arbeitsumgebung hineinspielt.

Neues Mindset: Wie geht es mir als Rechtspflegerin in diesen neuen Rahmenbedingungen? Und wie geht es unseren Kunden, den Bürgerinnen und Bürgern?

Ist die Justiz, das einzelne Verfahren, das persönliche Anliegen für sie erlebbar und begreifbar im Kontext ihrer Lebensrealität? Schaffen wir es, unsere juristische Arbeit so eng wie möglich am Menschen zu orientieren, ohne eine zu große Dominanz von Technik, von Digitalisierung oder staatlicher Strukturen?

Justiz ist eben nicht nur Ausübung von Staatsgewalt, hat nicht nur Ordnungs- oder Streitschlichtungsfunktion – nein, Justiz ist für den Menschen da.

Mir gefällt ein Satz sehr gut:

Justiz ist moralisch richtig – und praktisch wichtig!

Zu dieser Praxis gehören die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger in vorderster Reihe.

Über die Anforderungen an die neue Praxis haben wir heute wichtige Erkenntnisse gewonnen und werden neue Wege beschreiten. Wir sind schon auf dem Weg.

Ein zuverlässiger Wegbegleiter, immer nach vorne strebend, immer weitergehend, das war der BDR RLP und wird er immer sein!

Ich hatte die Ehre, mein ganzes bisheriges Berufsleben lang in unterschiedlichen Funktionen Teil dieser unaufhörlich rollenden BDR-Karawane zu sein.

Über die Würdigung meines Beitrages zur Verbandsarbeit und die Wertschätzung meiner Person in den Grußworten, heute Morgen im Plenum, die Ehrenmitgliedschaft, freue ich mich sehr. Herzlichen Dank für das hohe Lob und die persönlichen Worte, ich bin sehr berührt.

Die Arbeit im und mit dem BDR hat viel Spaß gemacht und viele Erlebnisse werden mir unvergessen bleiben.

Ich erinnere an die legendäre Reise der rheinland-pfälzischen Gruppe zum Rechtspflegertag nach Berlin kurz nach der Wende.

Karl-Heinz Jendrsczok und ich haben über 70 Personen im Rahmen eines Gesamtpaketes Zugfahrt-Hotel-Programm nach Berlin und wieder zurückgebracht – voller Enthusiasmus, dann mit steigender Aufgeregtheit bis hin zur physischen und psychischen Erschöpfung betrieben wir ohne jegliche Erfahrung dieses anspruchsvolle Unterfangen,

Ich denke an den tollen Bundesrechtspflegertag in Trier 2016, als wir Rheinland-Pfälzer eine perfekte Veranstaltung mit aufwändigem Begleitprogramm organisiert und durchgeführt haben mit der legendären Superfete in der Richterakademie, von der heute noch geschwärmt wird.

Und auch unsere Veranstaltungen in RLP können sich sehen lassen. Besonders die Veranstaltungen hier in der Staatskanzlei offenbarten unsere Fähigkeiten und ließen uns auch die Hochachtung unserer Gäste aus Justiz und Politik spüren. Das hat uns gefreut.

Besonders stolz bin ich auch heute noch auf unsere Veranstaltung zur 100Jahr-Feier, zu der uns die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Ehre gab und uns in unserem unermüdlichen Streben nach dem Status bekräftigte.

Eine tolle Ausstellung im Justizministerium rundete die Feierlichkeiten ab.

U.a. dieses Event offenbarte, dass Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger alles können:

Wir haben konzipiert, zusammengetragen, aufgebaut, getextet, gesungen, gecatert, bedient und hinterher alles wieder aufgeräumt!

Oder unsere Filmdrehs zu den berufskundlichen Filmen zum Rechtspflegerberuf in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Wir haben nicht nur die Drehbücher geschrieben, den Drehort organsiert, wir haben die Hauptdarsteller, die Statisten, auch die Verpflegung gestellt und für die nachfolgende Verbreitung der Werbefilme gesorgt.

Wir haben 2009 als erstes Bundesland mit deutlicher Handschrift des BDR alle rechtlich möglichen Übertragungen vom Richter auf den Rechtspfleger durchgesetzt.

Auf unser Betreiben wurde mit dir, lieber Jochen, die damals so genannte Vertrauensarbeitszeit, also die flexible Arbeitszeit eingeführt.

Wir beteiligten uns immer vehement und mit ausgearbeiteten Konzepten an der Föderalismus- und Dienstrechtsreform.

Wir sind unablässige Mahner für eine ausreichende Personalausstattung und eine adäquate Besoldung.

Das Personalentwicklungskonzept für die rheinland-pfälzische Justiz, es wurde heute schon mehrfach angesprochen, mit der deutlichen Erhöhung der Anwärterstellen und der Übernahmestellen begrüßen wir ausdrücklich.

Auch die Streichung aller kw-Vermerke bei den Rechtspflegerstellen war ein sehr notwendiger haushälterischer Schritt. Die zumindest teilweise Nachkegelung mit den daraus resultierenden weiteren Beförderungsstellen ist ein erster Schritt. Ihm müssen weitere folgen für eine leistungsgerechte adäquate nachwuchssichernde und motivierende Bezahlung.    

Da liegt noch Vieles vor dir, Jella.

Diese Aufzählung ist beispielhaft und nur ein sehr kleiner Auszug aus der Arbeit des BDR in meiner Rückschau. Sie zeigt aber deutlich, wie wichtig der Verband im Gefüge von Justiz, Verwaltung und Politik ist.

Und deshalb bin ich so unendlich froh, dass du liebe Jella, bereit bist, den BDR RLP nunmehr zu führen.

Es ist nicht selbstverständlich, als Vollzeitrechtspflegerin, als Personalrätin, als Künstlerin, als Mama von zwei Kindern sich auch noch dieses Ehrenamt ans Bein zu binden!

Ich danke dir und wünsche dir viel Erfolg und immer das Quäntchen Glück, das man zum Erreichen seiner Ziele braucht. Ich bin zutiefst überzeugt, dass du dem BDR Rheinland-Pfalz deinen Stempel aufdrücken und seine Erfolgsgeschichte fortsetzen wirst.

Und lieber Timo, ich weiß wie sehr du Jella unterstützt, wir alle danken dir sehr.

Denn für alle Funktionsträger, die eine Herzensangelegenheit über eine lange Zeit ausgeübt haben, stellt sich die Übergabe in neue Hände oftmals als Hauptschwierigkeit dar.

Funktionen im BDR sind Ehrenämter. Wer sie übernimmt erwartet keine direkte, persönliche Gegenleistung und weiß, dass viele Stunden aufgewendet werden müssen. In Zeiten, in denen der Einzelne gefühlt nur noch das eigene Wohl im Auge hat und Zeit ein sehr knappes Gut ist, ist ehrenamtliches Engagement nicht selbstverständlich und umso mehr herauszuheben!

Ich bin deshalb von Herzen dankbar, dass es bei uns so reibungslos, so perfekt weitergeht.

Dass mein Engagement im BDR so lange anhielt, verdanke ich all denen, die mir insbesondere in meinen 22 Jahren als Vorsitzende so unentbehrlich, so unprätentiös, so engagiert zur Seite standen.

Ich konnte mich immer auf größtmögliche Unterstützung verlassen, wir haben den Verband und das Team gelebt. Ohne die engen Verbindungen und Freundschaften in der Landesleitung, im Präsidium und im Kollegenkreis hätte ich nicht diese Kraft, diese Ausdauer und nicht diese Freude gehabt.

Stellvertretend für alle bedanke ich mich bei meinen Geschäftsführern für die herausragende Zusammenarbeit – ohne die eine Vorsitzende verloren ist. Ohne euch, ganz besonders ohne dich, lieber Thomas, hätte mir der Plan, das Durchhaltevermögen, die Möglichkeit gefehlt. Ich bin mir sehr bewusst, wie hoch dein Einsatz ist und dass dieser Einsatz viel öfter gewürdigt werden müsste. Behalte ihn bei! Vielen Dank!

Und dass ich überhaupt zu diesem Amt kam, verdanke ich dir, lieber Wolfgang.

Du hast mich von Anfang an in der Landesleitung integriert, motiviert und gefordert und mir deine Nachfolge zugetraut.

Und du hast mich bereits ab 1987 mitgeschleppt zu den Bundespräsidien, bei denen ich dann ab 2000 als Landesvorsitzende teilgenommen habe.

 

Auch hier erlebte ich spannende Diskussionen, den Blick über den Tellerrand.

Rückblickend auf meine (man glaubt es kaum!) 35 Jahre Bundesarbeit kann ich sagen, dass sie bereichernd waren, ebenfalls geprägt von der gemeinsamen Aufgabe, aber auch von schönen Freundschaften, tollen Erlebnissen und engen Beziehungen.

Das Trennende wurde überwunden, das Gemeinsame ausgebaut und die Zusammenarbeit gestaltet sich insbesondere in den letzten Jahren als harmonisch, kooperativ und sehr zielführend.

Dass heute Kolleginnen und Kollegen aus BaWü, Bayern, Bremen, Hessen, dem Saarland hier sind, dass ihr, lieber Mario und Achim, für die Bundesleitung mir und uns die Ehre gebt, werte ich als ganz persönlichen Freundschaftsbeweis, zeigt aber auch wie gut und eng der BDR zusammensteht. Herzlichen Dank für euer Kommen!  

Liebe Lilli, lieber Malte,

auch die Zusammenarbeit mit und im dbb hat meine Verbandsarbeit und mich geprägt.

Große Ereignisse auf Bundes- und Landesebene, das Ringen untereinander und miteinander wegen der so verschiedenen Einstellungen und Bedürfnisse der Mitgliedsgewerkschaften, das Ringen mit der Politik um die ganz großen Themen wie Dienstrecht, Besoldung, Versorgung – man hat nie fertig, es braucht immer neue Kraft, einen neuen Anlauf – und es lohnt sich immer!

Danke, dass ich dabei sein durfte.

Ich danke den befreundeten Justizverbänden, die fast alle heute hier vertreten sind. Insbesondere in der AG Justiz, einem Zusammenschluss der Gewerkschaften BDR, Vollzug, DJG, Amtsanwälte und Gerichtsvollzieher, haben wir an den übergreifenden Themen freundschaftlich, zielführend und in absoluter gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung zusammengearbeitet.

Ich erinnere mich gerne an gemeinsame Aktionen vor dem Landtag, Pressetermine und Postkarten- und Plakataktionen – vielen Dank an alle, die mitgemacht haben und die diese gute Arbeit fortsetzen werden.

Insbesondere geht mein Dank an dich, lieber Winfried, für dein besonderes Engagement in dieser Gruppe.

Ich freue mich auch sehr über die Anwesenheit hochrangiger Gäste aus dem Bereich der Notar- und Rechtsanwaltskammern.

Auch mit Ihren Organen haben wir in den gemeinsamen Themen eng und überaus kollegial zusammengearbeitet, herzlichen Dank dafür.

Bitte bleiben Sie den gemeinsamen Anliegen in der bewährten Kooperation gewogen.

Einen tief empfundenen Dank möchte ich auch allen früheren und heutigen Verantwortlichen in der Justiz sagen.

Sie alle haben mich beruflich und persönlich und in Verbandsdingen gefördert, unterstützt und motiviert.

Ein langes und couragiertes ehrenamtliches Arbeiten braucht die Unterstützung, die Wertschätzung, die Anerkennung durch die Entscheider. Nur wer auf offene Ohren, auf Interesse, auf gegenseitiges Vertrauen, auf glaubwürdige Aufmerksamkeit mit dem Willen zur Veränderung trifft, wird den Mut nicht verlieren. Und genau so habe ich die Zusammenarbeit mit dem Ministerium und den Gerichten und Staatsanwaltschaften erlebt!

Ihre Türen standen mir immer offen, ich musste mir nicht erst überlegen ob ich dieses oder jenes darf, ob es gut ankommt, ob es vielleicht schadet –

bei allen Anliegen gab es zumindest bereite Anhörungen und in der Folge sehr oft breite Zustimmung und aktive Unterstützung.

Ich fühlte mich als Person, als Rechtspflegerin und als Landesvorsitzende geachtet und ernst genommen.

Diese Beachtung tat gut, sie war einer der Grundpfeiler meiner Arbeitsbasis!

Ganz herzlichen Dank dafür, verbunden mit der großen Bitte und Hoffnung, dass der BDR  und die neue Vorsitzende dieses so wertvolle entgegengebrachte Vertrauen weiterhin erleben dürfen.

Als vertrauensvoll und von aufmerksamer Anteilnahme an unseren Bedürfnissen geprägt habe ich auch die Kontakte mit den Vertreterinnen und Vertretern aus dem Landtag und den Fraktionen erlebt.

Es ist wichtig, dass wir uns direkt an die politisch Verantwortlichen wenden können.

So richtig einig geworden sind wir uns zwar nicht bei der Dienstrechtsreform oder auch in Haushalts- und Stellendingen. Der Austausch mit dem Fokus auf den speziellen Bedingungen bei den Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern ist und bleibt auch zukünftig ein wichtiger Bestandteil in der Verbandsarbeit und wird weitergelebt werden.

Ich bedanke mich ganz herzlich für die mir entgegengebrachte vertrauensvolle Zusammenarbeit und bitte auch Sie, diese mit der neuen Landesleitung fortzusetzen.

Meine jahrzehntelange Verbandsarbeit hätte es nicht gegeben, wenn sie nicht von meiner Familie so uneingeschränkt und liebevoll mitgetragen worden wäre.

Seit 35 Jahren, also genauso lange ich zum Bundespräsidium fahre, bin ich auch mit dem besten Mann von allen verheiratet.

Böse Zungen behaupten ja, dass die häufige Abwesenheit eines Partners gut für eine lange Ehezeit sei - das weiß ich nicht so genau.

Ich weiß jedoch, dass du mich immer und ohne Vorbehalte in meinen Aktivitäten ermutigt und unterstützt hast, du hast mir zugehört, du hast den Ärger abgekriegt, den ich mir von der Seele reden musste, du hast mich beraten, du warst nie ungeduldig oder eifersüchtig, du hast mir meine Erfolge gegönnt und meinen Schmerz geteilt. Du warst immer da und der Fels in der Familie. Und du hast dich immer und ausnahmslos um unsere Jungs gekümmert, warst für sie da und bist für sie immer noch der beste Papa der Welt. Ein geflügeltes Wort kursiert in unserem Freundeskreis, wenn du sie mit deinen Kochkünsten verwöhnst: 

„Kein Wunder, dass du so gut kochen kannst, irgendwie musstet ihr ja die Kinder durchbringen.“

Ich weiß auch, dass dir diese öffentlichen Worte eher unangenehm sind, du bist lieber bescheiden im Hintergrund.

Aber was wäre ein Dankeschön, wenn es nicht die wichtigsten Menschen hervorheben würde, ohne die es diesen Tag und diese Rede für mich nicht geben würde!

Und das gilt auch für meine beiden Augensterne, unsere Söhne Nicolas und Christopher. Schön, dass du heute hier dabei bist, Christopher.

Auch sie haben mich mit ihrem Verständnis für mich, ihrem Stolz auf mich, ihrer Liebe zu mir stark und selbstbewusst gemacht:

Wenn es passt, kann man vieles verbinden, von dem einen für das andere profitieren, ein glückliches und bereichertes Leben führen.

Ich danke auch euch von tiefstem Herzen und bin stolz auf euch!

 

„Ich glaube, Glück besteht maßgeblich darin, sich verbunden zu fühlen: im Freundeskreis, im Kollegenkreis, stabile und positive Beziehungen zu haben. Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist ganz existenziell. Ehrenamtlich Engagierte leben bis zu 7 Jahren länger. Das einfachste Glücksrezept: Wenn du wirklich etwas für dich tun willst – tu was für Andere!“

So hat Eckart von Hirschhausen sich zu Glück und ehrenamtlichen Einsatz geäußert.

Ich stimme ihm uneingeschränkt zu.

Das Ehrenamt im BDR ist bereichernd, anregend, es kann beglückend sein.

Das wünsche ich der neuen Landesleitung, sowie jedweden Erfolg auf dieser Reise in die digitale Zukunft, die schon lange begonnen hat und wohl nie enden wird, ich wünsche allen in der Justiz und der Politik in allen Funktionen kompetente, faire und zukunftsfähige, den Menschen mitnehmende Entscheidungen.

Ich wünsche uns allen Gesundheit und Augenblicke zum Genießen, der Freude und Zufriedenheit.

Es war mir eine Ehre, am Gedeihen des BDR und zum Wohle der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger mitzuwirken und ich bin immer noch froh und stolz darauf, dazu zu gehören!

Dieser Abschied fällt mir nicht leicht. Es fühlt sich schon so an, als ob ein unwiederbringbarer Teil verloren geht. Als ob ich in einer Trance zwischen Traum und Realität schwebe. Als ob heute hier ein Double von mir stehen würde, welches den Verlust, die Trauer, das Vermissen in den Hintergrund schieben könnte.

Aber es ist ja kein endgültiger Abschied, keine endgültige Trennung. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Wege des BDR Rheinland-Pfalz in eine neubestimmte, neuorientierte und bestens gerüstete Zukunft. Ich bin so froh, dass ich trotz Corona eine solch tolle Veranstaltung zu meinem Abschied erleben darf. Und dass du Markus, wieder dabei bist. Und dass so viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zu Ehren von Jella, von mir und zu Ehren des BDR zu gegen sind.

Und so möchte ich schließen mit einer Strophe aus einem Abschiedslied, dass der ehemalige Präsident des OLG Wien und mein lieber Freund Gerhard Jelinek gesungen hat:

„Gestern ist vorbei, freue dich auf Morgen. Denk nicht, was wäre gewesen,

schau nach vorn. Meine Tür bleibt immer offenstehen. Ich sage danke, farewell,

und es war schön, nicht adieu sondern Auf Wiedersehen.““

Archiv